Freitag, 15. März 2013

Ältere Apfelbäume schneiden – Achtung vor selbst ernannten Experten!

Obst- und speziell die Apfelbäume schneidet man gegen Ende der Ruhephase im Frühfrühling, wenn es (fast) keine Minusgrade mehr hat, der Baum aber noch nicht auszutreiben begonnen hat.  Da es heuer so lange so kalt war, ist JETZT die richtige Zeit dafür. Viele ziehen dafür einen Experten zu – doch Achtung! Nicht jeder „Baumschneideprofi“ tut dem Lieblingsapfelbaum auch wirklich gut!

Manch ein selbst ernannter Experte ist schnell entlarvt: Wer mit stumpfer Baumschere und Billigsäge auftaucht, wird auf jeden Fall ganz genau beobachtet. Denn stumpfe Werkzeuge schneiden schlecht. Das wiederum zieht Pilzbefall nach sich und schadet dem Baum. Und wer bei dickeren Ästen die Säge einsetzen will, muss auch ein Wundverschlussmittel bei sich haben, damit Krankheitserreger in die frischen Wunden nicht eindringen können.

Wer mit einer Motorsäge kommt, wird übrigens sofort hinaus komplimentiert.

Mundpropaganda hin oder her – Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Am besten, man plaudert anfangs ein bisschen mit dem Experten: Ob er das öfter macht, für welche Art von Baumbesitzern er tätig ist… Hier wartet nämlich die nächste Falle. Entpuppt sich der Experte als Baumschneideprofi für Apfelplantagen, herrscht Alarmstufe rot und man lässt ihn besser erst gar nicht auf die schönen (alten) Apfelbäume im eigenen Garten los. 

Der Grund: Plantagenbäume bestehen aus einem Haupttrieb und sonst (fast) nichts. Die Gefahr, dass viel zu viel abgeschnitten wird, ist groß.

Im Internet und in vielen Artikeln zum Thema wird geschrieben, dass der Hobbygärtner dazu neigt, zu wenig von seinem Baum abzuschneiden – und dass ein Zuviel niemals schaden kann: Egal, wer das sagt – es stimmt nicht (ganz)! Wer gar nicht schneidet, tut seinem Kulturbaum auf keinen Fall etwas Gutes. Wer seinem älteren Apfelbaum aber alle Triebe raubt und ihn komplett niederschneidet, wird ebenfalls kaum Äpfel ernten.

Was anfangs so aussieht, als ob der Baum nun endlich wieder genug Luft und Licht bis tief ins Innere bekommen würde, ändert sich über den Sommer oft radikal: Der Baum entwickelt Unmengen dicht belaubter, neuer Wassertriebe. Damit verbraucht er seine ganze Kraft – und die wenigen Äpfel, die es dennoch schaffen, bleiben unter dem tiefgrünen Blätterdach verborgen – weit weg von Luft und Sonne… und das Schneiden geht im besten Fall von vorne los. Im schlimmsten Fall geht der Baum ein.

Vor allem ältere Bäume vertragen es auch nicht, wenn ihnen stärkere Äste (sofern sie nicht vertrocknet sind) entfernt werden – über Daumendicke sollten Zweige nur in absoluten Notfällen entfernt werden (wenn ein Ast z. B. bereits schräg nach unten steht).

Dann gibt es „Profis“, die den Baum in Form einer Pyramide schneiden wollen: Unten breite Äste und in der Mitte spitz hoch zulaufend. Sofern es sich nicht um einen Jungbaum handelt, sollte einem auch das suspekt vorkommen: Die Krone des Apfelbaums muss breit ausladend sein, auf keinen Fall darf der Baum in die Höhe gezüchtet werden.

Ein nächster echter „Expertentipp“ betrifft das Abschneiden der steil nach oben ragenden Wassertriebe einen Zentimeter oberhalb des Astes – Blödsinn. So treiben sie immer und immer wieder aus und es entstehen dicke Knoten in den Ästen, die mehr und mehr Wassertriebe bilden. Besser: Direkt am Stamm abschneiden!

Sonst gilt: Äste, die in die Krone hineinstehen, nach unten hängen oder sich bereits mit anderen über Kreuz liegen, werden entfernt. Detto viele Wassertriebe (aber nicht alle!).