Montag, 23. Februar 2015

Auch traditionelles Saatgut ist wieder modern!

Früher trocknete die Großmutter die Kürbiskerne ganz einfach und siehe da – im nächsten Jahr wuchsen wieder köstliche Kürbisse daraus. Und gleich mehrere aus einem einzigen kleinen Kern! Sie ließ auch immer etwas vom Salat im Garten stehen, damit er blühen und Samen bilden konnte. Und wenn eine Tomate im Herbst abfiel, kam es durchaus vor, dass sich im Frühling ein Pflänzchen an der Stelle aus der Erde rekelte und seinerseits Früchte bildete… Auch die alten Kartoffeln mit ihren Austrieben vermehrten sich Jahrtausende lang problemlos gut. 

Das ist heutzutage zu einem sehr hohen Prozentsatz nicht mehr so. Samen werden gebeizt, um sie vor Ungeziefer zu schützen – und die nächste Generation ist nicht mehr keimfähig. Hybridpflanzen nennt man das, was immer mehr Menschen ablehnen. Sie begeben sich auf die Suche nach altem Bio-Saatgut und traditionellen Sorten, weil die z. B. besser an die regionalen Gegebenheiten angepasst sind. Außerdem vermehren sie die Bio-Diversität (mehr verschiedene Tiere und Pflanzen im Garten) und bereichern die Küche.

Aber vor allem: Sie engagieren sich, damit diese alten, samenfesten Sorten nicht gänzlich verdrängt werden und aussterben! Hybridsamen muss man schließlich Jahr für Jahr neu kaufen, gibt’s keine Samen, gibt’s keine Frucht. Das hängt damit zusammen, dass es sich bei Hybridpflanzen aus einer Kreuzung von zwei sortenreinen Pflanzen mit den gewünschten Eigenschaften in Selbstbestäubung handelt. Die erste Generation der Nachkommenschaft wächst perfekt. In der zweiten Generation jedoch passiert die größtmögliche genetische Aufspaltung (das hat etwas mit Vererbungslehre zu tun) – und von gesundem Wachstum ist keine Rede mehr.

Leider verschwindet mit den samenfesten Sorten aber auch die Vielfalt auf unseren Tellern: Tomaten sind heutzutage fast immer rund, rot und wässerig. Wer kennt schon noch die süßlichen Schoko-Tomaten, die köstlichen kleinen Paprika-Tomaten oder „Goldene Königinnen“ unter den Paradiesäpfeln?

Und so werden wir ärmer, obwohl die Hybrid-Pflanzen immer ertragreicher werden. Kein Wunder, dass sich immer mehr Menschen wieder auf die Suche nach dem Alten, Geschmackvollen, Abwechslungsreichen für den eigenen Garten machen. Schließlich gibt es unzählige Sorten Kartoffel, nicht nur die fest- oder eher nicht fest kochenden. Und orange Karotten haben gelbe und dunkelrote Schwestern, können süß oder kräftig schmecken… Es spricht ja nichts gegen den Einsatz von Hybridsorten, auch die können überaus lecker sein – aber viele wollen ihnen heutzutage halt nicht mehr das ganze Feld überlassen!