Mittwoch, 12. September 2012

Die gefährlichsten Pflanzen im spätsommerlichen Garten

Im Herbst haben die Giftzentralen Mitteleuropas Hochsaison: Die Eibe im Garteneck hat sich mit leuchtend roten Beeren geschmückt, entzückt greift das Kind zu… Was es (noch) nicht weiß: Sowohl die Nadeln als auch die Samen der Eibe sind toxisch (der rote Samenmantel selbst nicht). Die ersten Vergiftungserscheinungen beginnen bereits nach etwa einer Stunde. Es kommt zu Erbrechen, Durchfällen, zu Schwindelgefühl, Leibschmerzen, zur Pupillenerweiterung und schließlich zu Bewusstlosigkeit. Außerdem verfärben sich die Lippen des Patienten rot, die Herzfrequenz beschleunigt sich erst, um sich danach immer mehr zu verlangsamen. Der Blutdruck sinkt ab, und es erfolgt oft schon nach eineinhalb Stunden der Tod durch Herzstillstand.

Ein weiterer schöner, aber dennoch giftiger Bewohner unserer spätsommerlichen Gärten ist der Fingerhut. Schon geringe Mengen des Fingerhut-Giftes können zu Übelkeit und Erbrechen führen, vielerorts wird kolportiert, dass schon Berührungen ausreichen, um das Gift über die Haut aufzunehmen.
Und wie ist das mit dem „Giftkrokus“? – Namen est Omen, die Herbstzeitlose begleitet uns bis tief in den Herbst hinein, im Steingarten zwischen Polsterstauden und Gräsern fühlt sich die zartrosa bis violette Blume richtig wohl. Aber Vorsicht: Das Zellgift Colchicin führt unter anderem zu heftigen Blutungen, Koliken, Angst- und Schwindelzuständen, bei schweren Vergiftungen sogar zum Tod.

Wie das Schwarze Bilsenkraut, der Stechapfel, der Nachtschatten oder der Eisenhut zählt auch die Engelstrompete zu  den Nachtschattengewächsen. Nichts desto trotz stellt sie einen beliebten Blickfang für Garten und Balkon dar: Alle Teile dieser Pflanzen sind aber hochgiftig, die Wurzeln und Samen in besonderem Ausmaß. Eine Vergiftung zeigt sich durch eine rote, heiße und trockene Haut und Schleimhaut, einer starken Hautreizung, Übelkeit, Erbrechen, Unruhe, Verwirrtheit und einem verstärktem Tränenfluss. Durch die zentrale Wirkung der Giftstoffe kommt es zu Fieber, Sehstörungen, Durst, Pulsbeschleunigung, Krämpfen, weiten und lichtstarren Pupillen sowie zu bis zu mehrere Tage lang anhaltenden Halluzinationen – man will sich gar nicht vorstellen, was ein kleines Kind hier durchmacht!

Aber auch Buchsbaum (alle Teile stark giftig), Eberesche (die reifen roten Beeren enthalten Amagdalin, Sorbinsäure und Para-Scorbinsäure), Efeu (Blätter und Früchte giftig), Feuerdorn (Samen schwach giftig), Liguster (Beeren, Blätter und die Rinde sind giftig), Oleander (ganze Pflanze stark giftig), RhododendronSchneebeere (Beeren giftig), Wurmkraut (Blüten und Blätter giftig) oder die Zwergmispel haben es in sich – um nur ein paar Beispiele anzuführen.

Besteht der Verdacht, dass ein Kind (oder auch ein Erwachsener) etwas Giftiges aus dem Garten zu sich genommen hat, sofort feststellen, was genau verschluckt wurde (Pflanzenart und Pflanzenteile) und wie viel davon. Das sind auch die ersten Fragen, die von den Vergiftungszentralen aller Länder gestellt werden.

Hier die Notfallnummern:

Deutschland / Berlin: 030 - 45 05 53 555 oder 030 - 45 05 53 565
Bonn: 0228 - 28 73 211 und 0228 - 28 73 333
München: 089 - 19 240
Österreich / Wien: 01 - 43 43 43 (allgemeine Auskünfte: 01 - 40 40 02 222)
Schweiz / Zürich: 01 - 25 15 151 (allgemeine Auskünfte: 01 - 25 16 666)

Hat man die Giftzentrale informiert, gilt es, Ruhe zu bewahren und Flüssigkeit anzubieten (Tee, Wasser oder Saft), um das „Gift“ möglichst rasch aus dem Körper zu entfernen (nie jedoch Trinken erzwingen!). Dazu Medizinkohle verabreichen, denn die ist häufig in der Lage, das Gift zu binden und innerhalb von drei, vier Stunden mit dem Stuhlgang aus dem Köper auszuscheiden. Die empfohlene Dosierung dazu wird mit 0,5-1g pro kg Körpergewicht angegeben, was aufgrund der großen Menge oft nicht durchzuführen ist (am besten zerdrücken und löffelweise mit Wasser einnehmen).

Hat man kleine Kinder, ist es allerdings sinnvoll, sich so schnell wie möglich beim Gärtner seines Vertrauens über die Pflanzen im eigenen Garten zu informieren. Denn ganz im Ernst: Ein keiner Zaun rund um die Eibe reicht, dass die Kleinen nicht an die roten Beeren kommen. Und es gibt ganz sicher keine noch so schöne Engelstrompete, welche die Gesundheit eines Kindes wert wäre!