Mittwoch, 18. September 2013

Jetzt bekommen die Stauden und Sträucher „Kinder“!

Haben Sie schon einmal einen letzten, nachsommerlichen Blütenzweig von Ihrem Sommerflieder in die Vase gestellt und dann staunend beobachtet, dass der Zweig nicht stirbt, sondern im Wasser frisch fröhlich weiter grünt und langsam sogar Wurzeln bildet? Oder dass sich ein Forsythienzweig, direkt in die herbstliche Erde gesteckt, dort so wohl fühlt, dass er eineinhalb Jahre danach schon die allerersten Blüten trägt?

Tatsächlich, Forsythien zieht man leicht aus Hartholzstecklingen, die im Oktober abgenommen werden“, weiß der Gartenexperte. Oder man nimmt die bewurzelten Triebspitzen und setzt sie in ein Anzuchtbeet: Die beste Zeit dafür ist der frühe Herbst. Dabei muss man natürlich darauf achten, dass die Einsteckrichtung stimmt: Der untere Teil, am besten leicht schräg angeschnitten, kommt in die Erde. Und der obere Teil mit mindestens vier bis fünf Blattansätzen guckt oben heraus. Der Bereich, der in die Erde kommt, wird von Blättern befreit.

Beim Sommerflieder funktioniert das erfahrungsgemäß ganz gleich – direkt in die Erde gepflanzt, wurzelt er aber nicht ganz so leicht an wie die Forsythie. In der Vase oder in einer Pflanzschale auf der Fensterbank funktioniert das in der Regel besser. Kommt er dann im Frühling an einen sonnigen Platz mit guter Erde, wächst er pro Jahr gut und gerne einen Meter in Breite und Höhe. – Diese künftige Größe sollte man übrigens immer bedenken, bevor man das ach so kleine Pflänzchen als neuen Bewohner in den Garten lädt!

Aber auch Kübelpflanzen wie Oleander, Datura, Fuchsie, Hibiskus und Schönmalve werden nun in Aussaaterde gesteckt. Unter einer Folienhaube wurzeln sie innerhalb weniger Wochen.

Dazu schneidet man Triebspitzen von 10-15 cm Länge. Die unteren Blätter werden abgezwickt, große Blätter wie die von Datura und Hibiskus auf die Hälfte eingekürzt. Sie verdunsten dann weniger Wasser.

Auch einige Stauden, vor allem immergrüne Arten wie Flockenblume oder Bartfaden, aber auch mehrjährige Blattpflanzen wie Gartenraute und Hundskamille, werden jetzt mit Kopfstecklingen vermehrt.

Es gibt aber noch eine Reihe weiterer Sträucher und Pflanzen, die so vermehrt werden können: Die Kolkwitzie (Perlmuttstrauch) zum Beispiel. Oder die Hainbuche. Oder der Efeu. Oder der Liguster, der Strahlengriffel, die Orangenblume… Für alle diese Pflanzen ist jetzt – ein paar Wochen vor dem ersten Frost – die beste Zeit, „Kinder“ zu bekommen. Aber Achtung – nicht alle wollen dies im Freien tun!

Kreative Gärtnerinnen und Gärtner zeichnen sich oft dadurch aus, dass ihr Wintergarten und viele Fensterbänke mit kleinen Vasen und Töpfen voll kleinen Zweigen stehen. Und wenn auch nicht alle Stecklinge große Büsche werden – der eine oder andere schafft es. Zur Freude der „Geburtshelfer“ – und vieler Freunde, die damit natürlich auch beschenkt werden!