Dienstag, 18. Dezember 2012

Mond-Christbäume halten länger

Früher standen die Weihnachtsbäume samt Schmuck bis Maria Lichtmess, also bis zum 2. Februar, im Haus. Heute ist diese Sitte vielerorts in Vergessenheit geraten – vielleicht auch deshalb, weil der Baum schon am Drei-Königstag nicht mehr repräsentabel ist: Leise rieseln die Nadeln dahin. Die Schlägerung zum richtigen (Mond-) Zeitpunkt soll das verhindern können… Heute tauchen diese Mondchristbäume bei den Christbaumbauern und -händlern bereits wieder mehr und mehr auf. Denn: Die Nachfrage steigt!

Laut überliefertem Volkswissen funktioniert das so: Tannen, drei Tage vor dem elften Vollmond des Jahres geschlagen (meist im November, manchmal aber auch im Dezember – heuer war der 11. Vollmond am 28. November 2012), behalten ihre Nadeln sehr lange Zeit. Oft erhielten und erhalten diese Bäume einen Mondstempel und sind etwas teurer als die anderen Weihnachtsbäume. Erfahrungen berichten von Christbäumen, die noch Jahre danach einen Großteil ihrer Nadeln hatten – natürlich nicht mehr grün, aber angeblich immer noch duftend.

Wer es nicht schafft, die drei Tage vor dem elften Vollmond genau einzuhalten, sagen die Mond-Experten, solle sich vor allem nach dem zunehmenden Mond richten, um seinen Christbaum und die Zweige zu schneiden (je näher an Vollmond desto besser). Wer seinen Baum also am 24. Dezember schlägt, hat „fast“ einen Mondchristbaum, denn der nächste Vollmond ist am 28. Dezember 2012, nur vier Tage danach.

Auch Fichten, die zum richtigen Zeitpunkt geschlagen werden, nadeln weniger, müssen aber bis Weihnachten kühl gelagert werden. Fichten verlieren ihre Nadeln dennoch immer früher als Tannen.
Natürlich rufen diese Mondthesen immer wieder Menschen auf den Plan, die beweisen wollen – wie vor einigen Jahren Wissenschaftlern der Universität von Dresden – dass das alles nicht stimmt, dass der Mond keinen Einfluss auf unsere Haare, unser Leben und schon gar nicht auf die Haltbarkeit von Christbäumen hat.

„Das Abfallen der Nadeln ist ein rein physikalisch-mechanischer Vorgang, der durch das Trocknen der Nadeln ausgelöst wird", so das Urteil der Experten. Im Klartext: Das einzige, was den längeren Verbleib des Weihnachtsbaumes im Wohnbereich ermöglicht, ist, seinen Stamm feucht zu stellen. Auch ein Zuviel an Raumtemperatur schadet.

Aber viele Holzbauern und Gärtnereibetriebe haben die Erfahrung gemacht, dass manch ein Reisigbund beim Kranzbinden die Nadeln sehr schnell verliert. Und andere Zweige, die an einem anderen Tag geerntet worden sind, halten viele Wochen lang. Und immer mehr greifen daraufhin zum Mondkalender und schlagen nach, probieren es noch einmal aus und kommen zur Erkenntnis, dass Tannen und Reisig, bei zunehmendem Mond geschnitten, grundsätzlich länger frisch bleiben.

Die Erkenntnis ist nicht neu, ja schon hunderte von Jahren alt – und auch logisch begründbar: Bei Vollmond saugt der Baum die meiste Flüssigkeit auf, deshalb bleiben die Nadeln länger haften. Wenn der Mond zurückgeht, zieht er das Wasser heraus. Dachstuhlholz z. B. wird deshalb immer nur bei Neumond geschlagen…