Mittwoch, 12. Juni 2013

Mythischer „Hollerbusch“ (Schwarzer Holunder)

Um viele Kräuter, Pflanzen, Büsche und Bäume ranken sich uralte Sagen und Mythen – so auch um den derzeit blühenden Holunderstrauch. Man sagt, dass er von Holda, einer germanischen Göttin, als Lieblingsbaum auserkoren wurde und Haus, Hof, Mensch und Tier schützt.

Auch wenn Holunder eigentlich ein knorriger Busch ist, so kennt man ihn auch als Hollerbaum, Elderbaum und Holunderbaum. Je nach Region wird er auch als Holder, Holler, Hollerbusch, Husholder, Schwarzholder, Kisseke und Schwitztee bezeichnet. Mit seiner anspruchslosen Art wächst er bis zu elf Meter hoch und benötigt dafür kaum Erde.

Frau Holle war, bevor sie in den Grimms Märchen über Gut und Böse urteilte (Goldmarie und Pechmarie) und den Schnee beim Bettenaufschütteln zur Erde fallen ließ, eine germanische Mutter- und Baumgöttin. Als solche beschützte sie Pflanzen, Tiere, Haus, Hof, Mensch und Vieh gegen dunkle Mächte, böse Geister, Feuer, Blitzschlag, schwarze Magie und Hexen. Sie herrschte über das Wetter und konnte mit ihrer Macht gute Ernte und somit Wohlstand bringen. Außerdem hatte die Göttin die Macht, über Geburt und Tod zu entscheiden. Daher wurde sie früher häufig mit Milchopfern oder Brot und Bier verwöhnt. Auch beherbergte der Busch wohlgesinnte Hausgeister, was den Strauch in vielen Hausgärten heimisch werden ließ und zu dem Spruch führte, dass man vor einem Hollerbusch den Hut ziehen müsse.

So war es unter Strafe verboten, einen Holunderbusch auszuhacken bzw. zu fällen – das hätte dem Übeltäter und seiner Familie, ja dem ganzen Dorf, großes Unglück gebracht!

Besonders in Bayern und Schwaben sowie im Elsas war die Verehrung weit verbreitet. So wird noch aus dem 18. Jahrhundert berichtet, dass die Menschen den Busch um Verzeihung baten, wenn sie ihn beschneiden mussten.

Aus seinem Holz wurden die Riegel für Ställe geschnitzt, junge Frauen nutzen ihn als Liebesorakel und wer Holunderkuchen aß, sprang angeblich am weitesten über das Sonnwendfeuer. Und unter ihm soll man angeblich vor Schlangenbissen und Mückenstichen geschützt sein.

Der Holunder sucht die Nähe des Menschen, sagt man. In der Tat wächst er am liebsten im Schutze von Scheunen, nah bei den Häusern oder an Wiesen- und Waldrändern sowie entlang von Bahngeleisen. Verdorrt ein Holunderbusch, zeigt er den Tod eines Familienmitglieds an.

Wird ein Haus verlassen, an dem der Holler wächst, so verkümmert er – so wird zumindest auch heute noch mancherorts behauptet…