Donnerstag, 06. Dezember 2012

Orchideen wachsen nicht in Blumenerde

Früher waren tropische Orchideen in Europa etwas ganz besonderes. Sie wurden direkt in den Regenwäldern gesammelt, mussten weite Schiffsreisen überstehen, waren dadurch extrem teuer und dann schwierig zu halten. Beides hat sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend geändert. Dank moderner Zuchtverfahren steht dem Blumenfreund heute eine Vielzahl dieser exotischen Pflanzen zur Verfügung, die problemlos auch auf der Fensterbank gedeihen.

Die Wurzeln der Orchideen nehmen einen Teil der benötigten Nährstoffe aus der Luft und dem Regenwasser auf. Sie stecken also nicht in der Erde, sondern hängen hoch oben auf den Ästen der Urwaldriesen, wo sie genügend Licht erhaschen. Mit Erde bedeckt, verfaulen sie innerhalb weniger Wochen.

Um die Wurzeln in unseren Wohnzimmern feucht zu halten, ohne sie von der Luft abzuschnüren, gibt es spezielle Orchideensubstrate. Wenn sie eine Orchidee kaufen, befindet sich im Topf bereits ein solches Substrat. Es besteht aus Rinde, Torf, Styropor und anderen Zusätzen, die zwar Wasser halten, aber auch luftdurchlässig sind und schnell abtrocknen  wie im richtigen Leben einer Orchidee eben auch. Das muss man berücksichtigen, wenn man die Orchidee alle ein bis zwei Jahre umtopft. Das ist besonders wichtig, denn das sonst luftdurchlässige Substrat verrottet mit der Zeit und schnürt die Wurzeln nach und nach ein. Außerdem können sich Salze aus dem Gießwasser im Substrat konzentrieren und die Wurzeln zusätzlich schädigen.

Viele Orchideen auf den heimischen Fensterbänken verfaulen aber auch, weil sie tot gegossen werden (und z. B. in ihrem Übertopf ertrinken). Bei einem Topf mittlerer Größe reicht es nämlich, einmal pro Woche zu gießen – und dann so stark, dass das Wasser unten heraus läuft. Natürlich wäre Regenwasser ideal, aber die robusten Züchtungen vertragen auch ganz normales Leistungswasser problemlos.

Wächst die Pflanze, bekommt also z. B. ein Blatt oder einen Knopsentrieb, braucht sie mehr Nass, stagniert sie, reicht weniger. Das gilt auch für Dünger, Orchideen sind überhaupt wahre Überlebenskünstler (sofern sie nicht in Erde gepackt werden): Am besten eignet sich ein Orchideendünger, um die Pflanze zu verwöhnen. Er ist von seiner Nährstoffzusammensetzung speziell auf die Bedürfnisse dieser Pflanzen zugeschnitten und stärker verdünnt als andere Dünger. Denn zu viel des Guten mag die Orchidee  nicht.

Noch etwas mögen die wenigsten Orchideen: Strahlende direkte Mittagssonne. Nur die Arten und Kreuzungen der Gattung Cattleya und Vanda gedeihen auch auf Südfenstern gut. Auch groben Luftzug mag die Orchidee nicht – ist sie zu lange in einem solchen im Verkaufsraum gestanden, ist vom Kauf eher abzuraten. Man wird nur kurz Freude an der Pflanze haben.  
Sonst leben Orchideen oft viele Jahre lang und machen den menschlichen Mitbewohnern viel Freude, wenn das Fensterbankerl in allen Farben und Formen mehrmals im Jahr zu blühendem Leben erwacht.