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Montag, 31. Dezember 2012

Weihrauch und Myrrhe

Geschenke der Heiligen drei Könige

Die Heiligen Drei Könige aus dem Morgenland brachten kostbare Gaben, um dem Jesuskind in seiner Krippe im Stall zu huldigen: Caspar, Melchior und Balthasar hatten Gold, Weihrauch und Myrrhe dabei. Zwei der drei Geschenke sind Harze und damit pflanzlichen Ursprungs…

Weihrauch ist das Harz eines strauchartigen Baumes (Boswellia sacra), der zwischen eineinhalb und acht Meter hoch wird und in verschiedenen Unterarten in Ostafrika rund um das Horn von Afrika (Somalia, Äthiopien, Jemen, Oman) sowie in Südarabien und Indien beheimatet ist. Der kleine, stark verzweigte Baum mit den dicken Ästen liebt trocken-heißes Klima, hat eine papierähnliche Rinde, gefiederte Blätter und kleine, sternförmige, blassgelbe Blüten.

Gewonnen wird Weihrauch, indem die Baumrinde etwa handtellergroß eingeritzt wird. Nach ca. zwei Wochen gerinnt der austretende, milchige Saft an der Sonne und kann als durchsichtiger bis brauner Klumpen abgekratzt und eingesammelt werden.

Ein Baum kann, bei drei bis vier Ernten pro Jahr, zwischen zehn und zwanzig Kilo Harz liefern, nach drei Jahren braucht er dann aber eine mehrjährige Ruhepause. Wie man diesen Baum zum Wachsen bringt, ist bei allen Völkern, die ihn pflanzen, ein gut gehütetes Geheimnis, denn ganz einfach ist dies nicht. Je nach Herkunftsland kann das echte Weihrauchharz (Olibanum) unterschiedlich groß und wohlduftend sein, die Farbpalette reicht von orange-weiß über gelblich bis zu einem bräunlichen Ton.

Der Weihrauch, d. h. der Rauch der entsteht, wenn man das Harz des Weihrauchbaumes verbrennt, hat eine lange Tradition in der Geschichte der Menschheit. Schon die Pharaonen liebten seinen Duft, das Harz galt lange Zeit als Blut des Baumes, es war etwas Lebendiges, Göttliches. Es wird von altersher als desinfizierendes und entzündungshemmendes Räuchermittel genutzt, um Luft zu aromatisieren oder zu desinfizieren, Dämonen zu vertreiben und – aufstrebend wie ein Gebet – eine Verbindung mit den Göttern herzustellen. Er wurde und wird in vielen Religionen zu kultischen Handlungen verwendet. Früher war er (fast) so wertvoll wie Gold – und nachdem der Baumbestand vor allem in Äthiopien rapide zurückgeht, könnte das bald wieder so sein…

Myrrhe (Commiphora molmol) dagegen, obwohl ebenfalls in trockenen heißen Gebieten Afrikas beheimatet (Somalia, Äthiopien, dem Jemen und im Sudan), kann auch in Mitteleuropa als Kübelpflanze gezüchtet werden, weil es ein nur kleines, maximal drei Meter hohes Bäumchen ist (wenig gießen!). Das sagenumwobene Bäumchen hat kleine, gedrehte Blätter, Stacheln und rispenartig, helle Blütenstände, aus denen sich später Beerenfrüchte entwickeln.

Geerntet wird der in der Luft zu gelb-rötlichem Harz eingetrocknete Saft, der aufgrund von Verletzungen der Rinde austritt, ähnlich wie beim Weihrauch. Um das heiß begehrte Öl zu gewinnen, wird jedoch die ganze Pflanze destilliert. Beides ist seit Jahrtausenden heiß begehrt und in Verwendung, in vielen Ländern wird der Braut an ihrem Hochzeitstag traditionell ein Myrrhe-Zweig geschenkt.