Mittwoch, 22. Mai 2013

Immer der Nase nach: Nachtduftende Pflanzen im Garten

Es gibt Pflanzen, die ihre Blüten erst spätabends oder in der Nacht entfalten, um mit ihrem Duft Nachtschwärmer zur Bestäubung anzulocken. Viele Blumen entfalten dabei auch einen für den Menschen betörenden Duft und unterstreichen so laue Sommerabende mit sensationellen Geruchsexplosionen im Garten.

Jetzt im Frühsommer sind es vor allem die Taglilien, die nach Einbruch der Dunkelheit zu duften beginnen – und zwar nach Maiglöckchen. Intensiv und unwiderstehlich. Vor allem die weißen leuchten und riechen sehr gut. Niemand weiß, warum sie Tag- und nicht Nachtlilien heißen…

Einen besonderen Reiz hat auch der nächtliche Duft einiger Nachtkerzen. Dazu kommt, dass man ihr Erblühen im Zeitraffertempo erleben kann. Immer wieder stößt man auf Geschichten von Abendgesellschaften, die Reden und Trinken vergaßen, als einige Pflanzen von Oenothera glazioviana aufzublühen begannen – man saß nur noch da und schaute gebannt zu. Auch die in großer Zahl eintreffenden Nachtfalter faszinieren, denn die werden vom fruchtig-säuerlich-frischen Duft mindestens genauso angezogen, wie die Menschen.

Dabei sind einige der Nachtschwärmer mit ihren langen Saugrüsseln auch beeindruckend groß und hüllen sich in äußerst elegante Mäntel ein, wenn sie im Rüttelflug wie Kolibris nektartrinkend vor der Blume stehen…

Interessant für den nächtlichen Duftgarten sind auch die Mondviole und ihre kürzer lebende Schwester, die Nachtviole (Nachtveilchen). Neben der wohlriechenden Blüte besticht die Pflanze auch noch durch sehr attraktive Samenstände, die denen des verwandten Silberblatts sehr ähneln.

Bei fast allen Nachtduftern fällt auf, dass sie ihre Bestäuber auch in der Dunkelheit optisch anzulocken verstehen: Ihr helles Gelb, helles Violett und ihr extrem weißes Weiß durchdringt die Dunkelheit, während rote und andere dunkle Farbtöne von der Dunkelheit verschluckt werden.

Die wohl intensivsten Nachtdufter findet man unter den ein- und zweijährigen Pflanzenarten. Wer einmal vom Balkonkasten, von der Terrasse oder vom Hausgarten in lauen Sommernächten die umherschweifenden intensiven Duftschwaden des Gemshorns erschnuppert und die harmonische Komposition von Vanille-, Zimt- und Nelkenaromen genossen hat, wird sie sich jedes Jahr neu verschaffen wollen. Auch Sternbalsam, das Nickende Leimkraut oder der Abendstern machen nach Einbruch der Dunkelheit gekonnt auf sich aufmerksam.

Nach der Sommersonnwende, wenn die Tage bereits wieder etwas kürzer werden, sind es vor allem die Madonnen-Lilien, die fantastisch duften  – allen voran die hellweiße, die der gesamten Gruppe der Zwiebelblumen ihren Namen gab. Auch die Clematis duftet jetzt sehr angenehm.

Auch manche Sträucher duften in der Nacht – z. B. die Hammerstrauch-Arten verstehen es, uns mit ihrem unverwechselbaren Abendduft, den manche Mitmenschen als Multivitamin-Brausetablettenaroma empfinden, zu verzaubern.