Mittwoch, 10. Oktober 2012

Indian Summer

Warum werden die Blätter bunt?

Gerade waren die Bäume noch voll belaubt und grün – und nun regnet es bei jedem Windstoß bunte Blätter. Aber warum werden die Blätter überhaupt gelb, rot und braun?  Und warum ist nicht jeder Herbst ein richtig schön-bunter „Indian Summer“ – und was ist das überhaupt…?

Wer an den „Indian Summer“ denkt, vor dessen innerem Auge ziehen knallbunte Wälder und ein blitzblauer Himmel vorbei – ein nahezu unfassbarer Reichtum an Eindrücken, ein echtes Feuerwerk an Farben bei angenehmer Herbsttemperatur, das sich innerhalb kürzester Zeit vom Süden Kanadas bis in den Norden der USA hinunter ziehen kann. Die Hauptdarsteller bei dem Schauspiel sind vor allem verschiedene Birken- und Ahornarten wie der Rot-, der Silber- und der Zuckerahorn.

Nach und nach haben auch wir Mitteleuropäer diesen Begriff übernommen und bezeichnen damit einen besonders schönen, bunten Herbst, ein wenig vergleichbar mit unserem Altweibersommer. Bei uns sind es vor allem die Birken, Pappeln und Lärchen, die sich gelb bis golden verfärben. Die Buche wird orange bis rotbraun – und nur der Ahorn und wilder Wein werden rot, Eichen oder Eschen dagegen meist gleich braun. Der mitteleuropäische Indian Summer ist also sehr viel weniger bunt als sein amerikanisches Original.

Mit dem „Indian Summer“ beginnt die Natur, sich auf die widrigen Verhältnisse in kalten Jahreszeit vorzubereiten – die Blätter müssen weg, damit der Baum die kommenden Schneelasten tragen kann. Außerdem würde an einem sonnigen Wintertag sonst zu viel Wasser über die Blätter verdunsten. Wasser, das sich der Baum aus dem gefrorenen Boden nicht mehr zurück holen könnte, er würde verdursten.

Bevor die Blätter jedoch abfallen, wird noch das Chlorophyll abgebaut, das die Blätter grün erscheinen lässt. Jetzt haben andere Stoffe, die vorher vom Blattgrün überdeckt waren, ihre große Stunde: Carotinoide sorgen für Orange und Gelb, Anthocyane für Rot und Braun (wobei die Anthocyane die Blätter während des Abtransports des letzten, wertvollen Chlorophylls auch noch gegen so etwas wie Sonnenbrand schützen).
Wenn der Rückzug des Chlorophylls beendet ist, bildet sich zwischen Ast und Blatt eine Korkschicht aus. Damit ist das Blatt von der Versorgung durch den Baum abgeschnitten. Es bekommt kein Wasser und somit keine Nährstoffe mehr – und fällt irgendwann ab.

Ist der Herbst sehr trocken, kann es sein, dass die Bäume ihre Blätter früher abwerfen. Im Allgemeinen wird die Aktion aber von den kürzer werdenden Tagen und der fallenden Temperatur gesteuert. Der Baum „fühlt“ die Nähe des ersten Frostes und beeilt sich, das Chlorophyll noch schnell aus den Blättern zurück zu ziehen und für das nächste Frühjahr abzuspeichern. Sobald es um die minus fünf Grad Nachtfrost erreicht, wirft er sie ab: In diesem Jahr hat der Baum keine Nährstoffe aus den Blättern mehr zu erwarten und begibt sich in Winterruhe.
Die Länge der  Zeit zwischen dem „Erfühlen“ des ersten Frostes und dem tatsächlichen Wintereinbruch beeinflusst so auch die Buntheit des Herbstes – und ist eben nicht in jedem Jahr gleich.