Mittwoch, 12. September 2012

Schneckenplage – was hilft?

Seit sich die Spanischen Wegschnecken vor ein paar Jahrzehnten bei uns breit gemacht haben, empfinden wir die massenhaft  auftretenden, orangen Schleimspurtiere als ekelig und echte Landplage. Da sie sich als Zwitter untereinander paaren, wie sie wollen – wobei beide Tiere nach der Kopulation Eier ablegen – können zwei Schnecken innerhalb eines Sommers theoretisch 320.000 „Kinder“ bekommen (vom Ei zur erwachsenen Schnecke dauert es nur sechs bis acht Wochen). Eine Horrorvorstellung. Weil sie aber Kannibalen sind und einige Feinde die Eier ebenfalls zum Fressen gern haben, kommt es nicht so weit.

Trotzdem: Was kann man tun, um dieses Weichtier aus dem Garten fern zu halten? Hochtoxische Substanzen neben dem Salat anzubringen, erfordert Mut – obwohl es Schneckengift gibt, das für Säugetiere und damit auch für den Menschen unschädlich ist.

Ist man stolzer Besitzer eines Hochbeetes, bringt man am oberen Rand einfach eine „Schneckensperre“ an (auch Schneckenzaun genannt): Das sind nach außen und unten gebogene Metallstreifen, die von Schnecken nicht oder nur sehr schwer überwunden werden können. Auch über das Hochbeet genagelte Maschengitter (Mäusegitter) funktionieren gut. Bei normalen Beeten nutzt dies wenig, da die Bauchfüßler auch von unten – durch die Erde – kommen.

Bleibt, die Tiere zu sammeln: Z. B., indem man Becher mit Bier aufstellt. Dort fallen sie, magisch angezogen, hinein. Der Nachteil dabei: Man muss die Gefäße regelmäßig entleeren und nachfüllen. Und: Man muss die Schnecken töten, sonst kommen sie wieder (hier reichen die Tipps von Zerstückeln bis zum Überbrühen mit kochendem Wasser).

Wer es vorzieht, die ungebetenen Gäste in Stücke zu hacken, kann beobachten, dass tote Tiere wiederum lebendige Artgenossen anziehen: Die Spanische Wegschnecke ist keine Vegetarierin und verzehrt auch die eigene Familie mit Begeisterung. Es lohnt sich daher, eine halbe Stunde nach einem ersten Gemetzel nochmals nachzusehen …

Eine andere Möglichkeit stellen Nematoden dar, wie sie auch gegen den Dickmaulrüssler eingesetzt werden. Dazu werden Fadenwürmer (kann man bestellen) mit der Gießkanne ausgebracht. Die Nematoden dringen über die Mantelhöhle in die Schnecke ein. Dort sondern Sie ein Bakterium ab, das die Schnecke zersetzt – das ist nicht hübsch, aber äußerst effektiv.

Dann gibt es Pflanzen, die von Schnecken eher gemieden werden und als Abschreckung zwischen das Gemüse gepflanzt werden können: Kapuzinerkresse gehört dazu, auch Thymian, Lavendel, Nachtkerzen oder Gartennelken.

Um die Spanischen Wegschnecken aber nachhaltig zu bekämpfen, gilt es auch, ihre natürlichen Feinde zu stärken, indem man ihnen im Garten eine Nische zum Leben einräumt: Weinbergschnecken (das sind die schönen grauen mit dem Häuschen) lieben die Eier ihrer Verwandten. Auch Glühwürmchen, Laufkäfer, Leuchtkäfer, Marschfliegen sowie deren Larven, verschiedene Käfer, Hundertfüßer und Weberknechte fressen Eigelege und Jungschnecken. Kröten, Eidechsen, Stare, Amseln, Krähen, Elstern, Igel, Blindschleichen, Maulwürfe und Spitzmäuse verspeisen auch die ausgewachsenen Tiere (wenngleich die roten eindeutig mit Widerwillen). Die einzigen Lebewesen, die eine Spanische Wegschnecke mit Begeisterung vertilgen, ist indische Laufenten – aber bevor man sich ein paar von denen anschafft, sollte man sich genau überlegen, wie viel Arbeit das Halten von ein paar Haustierenten machen kann!