Freitag, 20. Juni 2014

Hallo Nützlinge, der Tisch ist mit Schädlingen gedeckt!

Die Nützlinge im Garten zu fördern, bedeutet weniger Schädlinge und damit auch weniger Schädlingsbekämpfung. Denn Marienkäfer, Schwebfliege, Ohrwurm, Schlupfwespe oder auch die Wespen haben Läuse, Milben, Nematoden, mikroskopisch kleine Krankheitserreger (Bakterien, Viren, Pilze, Protozoen) und viele andere Organismen zum Fressen gern. Vorausgesetzt, sie finden eine passende Unterkunft und Nahrung bei uns…

Entweder sie fressen den Gegner auf oder sie nisten sich in ihrem Körper ein und töten ihn in der Folge ab. Das sind, schnell zusammen gefasst, die Strategien der Nützlinge, auf Kosten der ungeliebten Schädlinge zu (über-)leben. Eine kleine Übersicht:

• Marienkäfer: Es gibt viele verschiedene Arten, ein Räuber, der sich von Blattläusen, Spinnmilben oder Schildläusen ernährt. Manche sind auch auf Mehltau-Pilze spezialisiert. Am bekanntesten ist der Siebenpunkt-Marienkäfer. Als erwachsenes Tier ernährt er sich von bis zu 150 Blattläusen täglich, als Larve verschlingt er bis 800! Sie freuen sich über ein kleines, dreieckig gedecktes Häuschen mit kleinen Zugängen, das an einem Ort mit hoher Blattlausfrequenz hängt.

• Der Ohrwurm freut sich über umgedrehte, mit Holzwolle gestopfte kleine Tontöpfe, die ungestört in den Bäumen hängen, so dass sie einen Ast oder Stamm berühren. Da kann er dann in der Nacht hervorkriechen und sich mit Blatt- und Blutläusen, Spinnmilben sowie anderen kleine Insekten satt fressen. Auch in Rosenkugeln siedelt er sich an.

• Großen Appetit haben auch die Florfliegen. Die großen, goldglänzenden Augen haben der Florfliege auch den Namen Goldauge eingebracht. Auffallend sind die grünen, filigranen und netzartigen Flügel, an denen man sie sofort erkennt. Ihre Larven ähneln kleinen gefräßigen „Krokodilen“, die mit Vorliebe Blattläuse, Blutläuse, Spinnmilben und andere Schädlinge verzehren. Die erwachsenen Tiere benötigen viele Blumen (Dolden- und Korbblütler) und – sie fliegen auf Rot! Ihr Holzquartier mit vielen Öffnungen sollte daher rot angestrichen sein, mit Stroh befüllt und in ca. 1,5 bis 2 Metern Höhe nach Südosten ausgerichtet sein.

• Die Schwebfliege ist der Kolibri unter den Nützlingen, weil sie wie der kleine Vogel in der Luft „stehen“ kann (und wie eine kleine Wespe oder Hummel ausschaut). Die Larven fressen Unmengen an Läusen, die Fliegen fliegen auf Blumen. Sie zieht – wie viele Nützlinge – gerne in ein Insektenhotel, wo auch die Schlupffliege in einem Moos-Appartement wohnt. Weibliche Tiere besitzen einen Legestachel, mit dem sie bestimmte Insekten anstechen, um ihre Eier abzulegen. Die Liste ihrer Wirte ist lang. Dazu zählen Schmetterlingsraupen (z. B. Apfelwickler, Kohlmotte oder Prozessionsspinner), Fliegen-, Blattwespen- und Käferlarven sowie Blattläuse.

• Großen Appetit auf Insekten haben auch Wespen, Spinnen, Maulwürfe (fressen Larven unter der Erde), Ameisen und Hornissen. Allen nutzt ein abwechslungsreicher Garten, der nicht zu aufgeräumt ist. Denn nur hier finden sie in allen ihren Entwicklungsstadien vom Ei über die Larve bis zum erwachsenen Insekt Fress- und Wohnmöglichkeiten.